| Gesangsdarbietungen von Vijaya Rao und Sharmila Rao
Die Südindische Musik
Unter
den außereuropäischen Musikkulturen nimmt die südindische,
sog. Karnatische Musik eine Sonderstellung ein. Mit mehreren
hundert technisch und namentlich verschiedenen Ragas bildet
sie das größte modale Musiksystem der Welt.
Der südindischen Musik liegt die menschliche Stimme
zugrunde. Sie dient zur Vermittlung von Melodie, Melismatik,
Rhythmus und Emotion. Sie kennt keine Abgrenzung zwischen
gesanglichem und instrumentalem Musizieren. Obwohl sie Raum
zur Improvisation gibt, basiert sie auf durchwegs komponierten
Stücken, die auf Grund ihrer Charakteristiken unterschieden
und entsprechend benannt werden. Die tiefere Bedeutung des
traditionellen südindischen Gesangs besteht darin, den
Zuhörer emotional und mental zu erheben und ihm etwas
von jenem Gefühl zu vermitteln, das der Komponist bei
der Entstehung des Stücks empfunden haben muss.
Klassische Musik war in Südindien immer devotional,
sie hatte nie säkularen Charakter, sie hat daher immer
das höchst Ideelle, Göttliche, zum Inhalt. Die religiösen
und philosophischen Inhalte dieser Musik sind Hilfen zur Veranschaulichung
von Idealen, nach denen der Einzelne strebt, keineswegs aber
verbindliche Glaubensinhalte wie etwa in der europäischen
Tradition. In der südindischen Musik lebt eine Jahrtausende
alte Tradition kontinuierlich fort. Sie geht auf heilige Schriften,
die Veden und Upanishaden, sowie auf Weisen (Rishis), sowie
Mystiker und heilige Musiker zurück wie Tiruvalluvar,
Purandara Dasa, Muttuswamy Dîkshitar, Shyama Shastri
und ganz besonders Tyagarâja (1767-1847). Sie verkündeten
die Einsicht, dass gute Musik der Schlüssel zur Selbsterkenntnis
und damit zur Erlösung des Individuums von seinen inneren
und äußeren Konflikten ist. Von diesen Heiligen
nimmt Purandara Dasa (1484-1564) eine Sonderstellung ein,
da er das heute noch gültige Lehrsystem der südindisch
Klassischen Musik eingeführt hat.


Vijaya Rao ist nicht nur eine begnadete
indische Tanzkünstlerin und Tanz- und Musikpädagogin,
sondern auch eine versierte Sängerin. Sie begleitet die
Tanzauftritte ihrer diplomierten Schülerinnen ebenso
brillant, wie sie die Südindische Musik als Konzert zum
Besten zu geben vermag. Vijaya Raos Gesang lebt von den tiefen
Gefühlen, die in ihrer Interpretation der verschiedenen
Ragas zum Ausdruck kommt, so dass der Zuhörer hinweg
getragen wird und vor Ergriffenheit erschauert.
Sharmila
Rao, die Tochter von Vijaya Rao, kann auf eine intensive
Tanz- und Musikausbildung zurückblicken. Sie unterrichtet
in der Schule ihrer Mutter nicht nur Tanz, sondern auch Karnatischen
Gesang. In derselben Weise, in der sie mit ihren Tanzdarbietungen
die Zuschauer verzaubert, berührt sie mit ihrer Stimme
auch die Zuhörer. Ihr absolutes Gefühl für
Rhythmus und die Leichtigkeit, mit der sie die Ornamentierungen
der Melodien formt, macht ihren Gesang zum Genuss.
Vijaya Rao und Sharmila Rao können für Kurzprogramme
oder aber für abendfüllende Konzerte einzeln oder
im Duett engagiert werden.
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